Hilfsnavigation


Norder Stadtlied
Das Norder Stadtlied wird gesungen vom Männergesangsverein:

Zum Liedtext
Stiftungen
Die Bürgerstiftung Norden fördert verschiedene gemeinnützige Zwecke im Altkreis Norden. Die Dr. Frerichs-Stiftung unterstützt bedürftige Schülerinnen und Schüler des Ulrichsgymnasiums während des Universitätsstudiums.

Mehr zu den Stiftungen
Ludgerikirche Norden
Mehr zur größten und bedeutendsten mittelalterlichen Kirche Ostfrieslands.
Berühmt in der ganzen Welt: die Arp-Schnitger-Orgel der Ludgerikirche

Ludgerikirche zu Norden
Landkreis Aurich
Norden gehört zum Landkreis Aurich. Der sogenannte Insel- und Küstenkreis Aurich erstreckt sich mit seiner Küstenlinie von über 70 km auf 1.287,31 qkm

Mehr zum Landkreis
Online-Wörterbuch Plattdeutsch-Hochdeutsch
Die Ostfriesische Landschaft hat ein Online-Wörterbuch Plattdeutsch-Hochdeutsch herausgegeben. Es enthält über 45000 Datensätze inklusive zahlreicher Tonbeispiele zur korrekten Aussprache und kann unter www.platt-wb.de abgerufen werden.

Nähere Informationen zum Online-Wörterbuch

750 Jahre Norden
EINE WOCHE DER BEGEGNUNG

Das Programm zur 'Woche der Begegnung'

Dienstag, 21. Juni um 16 Uhr

Feierliche Enthüllung des Mahnmals
zum Gedenken an die ermordeten Männer, Frauen und Kinder der ehemaligen Synagogengemeinde Norden

Ort: Jüdischer Friedhof, Am Zingel/Eselspfad (neben dem Städtischen Friedhof)

Wir bitten alle Männer, aus Respekt vor den jüdischen Gästen und dem Ort eine Kopfbedeckung zu tragen.

Dienstag, 21. Juni um 20 Uhr

Vortrag von Rabbiner Dr. Michael Goldberger:
„Der Mundschenk erinnerte sich nicht an Josef und vergaß ihn“ (Genesis/1.Mose 40,23)
- Über das Erinnern und das Vergessen

Ort: Forum der Kreisvolkshochschule Norden
(im WBZ), Uffenstraße 1

Donnerstag, 23. Juni um 18 Uhr

Ökumenische Andacht von Christen und Juden

Ort: Aula des Ulrichsgymnasiums, Haupteingang Norddeicher Straße 2 - 3

12. Juni bis einschließlich 17. Juli - !! Die Ausstellung wurde verlängert bis Ende September 2005 !!

Ausstellung zur jüdischen Geschichte in Norden

Ort: Bauhaus Norden, Große Neustraße 12 (neben dem Kunsthaus)
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag von 15.00 - 18.00 Uhr; Samstag und Sonntag von 11.00 - 13.00 Uhr

zum Seitenanfang

750 Jahre Norden - 400 Jahre jüdische Gemeinde

Ausstellung zur jüdischen Geschichte Nordens

"Und ob ich schon wanderte im Tal der Todesschatten, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir". – Diese den Juden und Christen gleichermaßen bekannten Verse des 23. Psalms standen auf dem Leichenwagen der jüdischen Gemeinde in Norden. Ein Holzbrett dieses Wagens mit Inschrift gehört zu dem Wenigen, das nach dem Brand der Synagoge 1938 erhalten geblieben und jetzt Bestandteil einer Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde ist, die am 12. Juni 2005 um 11:30 Uhr im Bauhaus (Große Neustraße 12) eröffnet wird.

14 Tafeln bieten einen Einblick in die Zeit jüdischen Lebens und Sterbens in unserer Stadt. Schon im 16. Jahrhundert waren Juden in Norden ansässig; sie waren rechtlos und wurden gegen Bezahlung geschützt. Der Schutzbrief Edzard II. von 1591 ist ein erstes Dokument für die Anwesenheit von Juden in Norden.

Eine Blütezeit erlebte die Gemeinde im 19. Jahrhundert; ein Gemeindezentrum mit Synagoge, Schule, einem rituellen Tauchbad, Häuser für den Lehrer und Kantor, den Synagogendiener und dem Sekretariat entstand im Laufe der Zeit in der Judenlohne (heute Synagogenweg). Die Tafeln der Ausstellung geben Auskunft über Berufe, Wohnorte und Häuser der Juden; sie zeigen das Engagement jüdischer Bürger in Theater-, Musik- und Literaturvereinen, den Besuch der Norder Schulen. Mit ihrem Einsatz im Ersten Weltkrieg bekunden die Juden ihre Solidarität mit Deutschland. Diese Normalität endete abrupt mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933. Tafeln zeigen die Auswirkungen des Aprilboykotts 1933 und der Nürnberger Gesetze von 1935, durch die die Juden sämtliche politischen Rechte verloren.

In der "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 eskalierte der Pogrom. Die Synagoge wurde in Brand gesetzt, jüdische Männer und Frauen gedemütigt und misshandelt. Der Wiederaufbau der Synagoge wurde verboten; das war das Ende des jüdischen Gemeindelebens in Norden.

Weitere Tafeln zeigen die Zeit von 1945 – 1955 mit dem Versuch von Wiedergutmachung, unterstützt von dem neugebildeten Norder Stadtrat, die Kristallnachtprozesse 1948 und 1951 und die Rückerstattungsverhandlungen über ehemals jüdischen Besitz.

Eine lange Zeit des Schweigens folgte, bis Lina Gödeken 1985 die Initiative ergriff und die Geschichte der jüdischen Gemeinde in ihrem Buch "Rund um die Synagoge in Norden" (2000, Ostfriesische Landschaft) aufarbeitete. Eine ökumenische Arbeitsgruppe bildete sich mit den Zielen, das frühere Gemeindezentrum zu erhalten, eine Gedenkstätte zu errichten und Kontakt zu vertriebenen Überlebenden der Gemeinde aufzunehmen.

1987 wurde der Gedenkstein auf dem Platz der zerstörten Synagoge errichtet in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden, ihrer Kinder und Enkel.

Eine letzte Tafel führt uns auf den jüdischen Friedhof, den ältesten in Ostfriesland. Hier soll am 21. Juni 2005 das Mahnmal mit den Namen der ermordeten Norder Juden eingeweiht werden; hierzu eingeladen sind Überlebende und Nachkommen der jüdischen Gemeinde Nordens.

Auf dem Mahnmal finden wir den 23. Psalm wieder. So ergänzen sich Ausstellung und Mahnmal : Wissen und Gewissen.

Text: Heide Janssen, Mitglied der Arbeitsgruppe Synagogenweg

Ort der Ausstellung:
Bauhaus Norden, Große Neustraße 12 (neben dem Kunsthaus)

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag von 15.00 - 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag von 11.00 - 13.00 Uhr

Ausstellungdauer:
12. Juni bis 17. Juli 2005 - !! Die Ausstellung wurde verlängert bis Ende September 2005 !!

Was vom Hause Juda entronnen und
übriggeblieben ist,
wird unten wieder Wurzeln schlagen
und von oben Frucht ansetzen.

2. Könige, 19,30

(Inschrift auf dem Mahnmal / aus der Hebräischen Bibel,
die die Christen auch das Alte Testament nennen.)

zum Seitenanfang

Hilda De Lowe, Mein Kaleidoskop - Der Lebensweg einer jüdischen Frau aus Norden

Für ihre Enkelkinder hat Hilda De Lowe aufgeschrieben, was sie erlebt hat, beginnend mit ihrer Kindheit und Jugend in Norden. Sie sollten die Geschichte der Großeltern und der Familie im einzelnen kennenlernen.
Ihre Lebenserinnerungen zeichnen ein leidvolles, wechselhaftes Leben auf, sind aber zugleich voller Dankbarkeit und Zuversicht.

Hilda De Lowe ist jetzt 89 Jahre alt und lebt heute in Israel. Sie wäre gern zur Woche der Begegnung gekommen. Ihre Gesundheit lässt es nicht zu. So wird ihr Bruder Rudy Wolff davon erzählen müssen.

Als Hildegard Wolff wurde sie 1916 am Neuen Weg geboren als zweites von drei Kindern des angesehenen Viehhändlers Karl Wolff und seiner Frau Lea Weinberg, deren Elternhaus in der Grossen Neustraße stand. Sie hatte eine behütete Kindheit in einer wohlhabenden, großen und verzweigten Familie.

Der frühe Tod der Mutter 1933 fiel zusammen mit dem abrupten Wechsel, den die jüdische Bevölkerung erleben musste, als die Nazis die Macht übernommen hatten. Menschen grüßten nicht mehr, wandten sich ab, der Besuch der weiterführenden Schulen war verboten, einen Arbeitsplatz bei Nichtjuden gab es nicht mehr, die jüdischen Händler und Kaufleute wurden drangsaliert und genötigt, ihren Besitz zu verschleudern. Sie erzählt von der Nacht des 9. November 1938, als die Synagoge brannte, Juden misshandelt wurden, die Männer verhaftet. Sie berichtet aber auch von Menschen, die den Juden halfen.

Sie hatte Siegbert de Löwe geheiratet, dessen Familie seit 100 Jahren ihr Wäschegeschäft am Neuen Weg betrieb. Immer mehr Norder Juden verließen das Land, sofern es ihnen gelang, ein Visum zu erhalten. Das wurde immer schwieriger. Hilde und Siegbert de Löwe gelangten in die USA und bauten sich durch unermüdlichen Fleiß eine neue Existenz auf, gequält durch die Ungewissheit über das Schicksal der Angehörigen, die in Deutschland zurückgeblieben waren und keine Möglichkeit zur Flucht mehr hatten. Bittere Gewissheit gab es erst nach dem Krieg.

Drei Söhne hat Hilda De Lowe geboren, Zeichen dafür, dass es nicht gelungen war, die Familien auszulöschen. Doch sehr viele Angehörige, darunter auch ihr Vater, wurden ermordet.

Sie wurden amerikanische Staatsbürger mit veränderter Schreibweise des Namens. Sie beschreibt, wie sie 18 Jahre nach ihrer Flucht das erste Mal Norden wieder besuchten. Sie berichtet vom arbeitsreichen Leben, das sie wieder zu einem guten Auskommen führte, vom Tode ihres Mannes und der letzten Katastrophe, als sie noch einmal verlor, was sie besaß: bei einem Waldbrand ging ihr Haus in Kalifornien, mit allen Fotos und Erinnerungsstücken, in Flammen auf.

Sie siedelte nach Israel über, wo ihr ältester Sohn seit langem lebte, und begann wieder von vorn. Ganz in der Nähe ist auch ihr Bruder.

Verluste und Hoffnungen, Ängste und Zuversicht, schweres Leid und große Freude – als buntes Bild erscheint ihr das Leben im Rückblick, durcheinander geschüttelt und doch immer neu geordnet. Ein Blick durch ein Kaleidoskop, bei dem sich die farbigen Glasstückchen im Rohr bei jeder Drehung neu sortieren.

Hilda De Lowe hat der Ökumenischen Arbeitsgruppe Synagogenweg die Erlaubnis gegeben, ihre Erinnerungen (die ja eigentlich für die Familie gedacht waren) in Norden zu veröffentlichen. Jutta Dauth hat sie aus dem Englischen übersetzt. Nun erscheinen sie rechtzeitig zur Woche der Begegnung.

Erlebte Vergangenheit, an der wir nun teilhaben dürfen, weil sie bis in unsere Zeit reicht.

Text: Almut Holler, Mitglied der Arbeitsgruppe Synagogenweg

Das kleine Büchlein ist erhältlich über die Norder Buchhandlungen, Kirchengemeinden und die Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg.

Der Erlös geht zur Hälfte als Spende an die Ökumenische Arbeitsgruppe, zur anderen Hälfte an eine Reha-Einrichtung für behinderte Kinder in Israel. So hat es Hilda De Lowe gewünscht, weil diese den Namen eines ihrer Enkelkinder trägt, das wegen seiner Behinderung sehr früh verstarb.

zum Seitenanfang


Ein Gang über den jüdischen Friedhof zeigt die 400jährige Geschichte der Norder Juden

Von Auricher "Hofjuden", besonderen Inschriften und noch im Tod getrennten Ehepartnern

Neben dem Städtischen Friedhof führt die Allee auf einem Wall auf den jüdischen Friedhof, den ältesten in Ostfriesland. Seit 1569 wurden Juden hier bestattet. Die letzte Beisetzung war im März 1940. Bald darauf waren auch die neun letzten Juden aus Norden deportiert. Zwei Kinder wurden „in letzter Minute“ noch versteckt und gerettet.

Ein Gang über den Friedhof erinnert an die 400jährige Geschichte der ostfriesischen Juden. Jüdische Gräber werden niemals aufgehoben und neu belegt. Daher sieht man auch viele alte Grabsteine. Auf dem Wall selbst, dem ältesten Teil, liegen sehr schöne Grabsteine, denn auch die Familien der am Auricher Grafenhof tätigen „Hofjuden“ wurden lange hier bestattet. Die wohl älteste erhaltene Grabplatte ist von 1659.

Der Friedhof wurde mehrfach erweitert. Die Flächen wurden von hinten nach vorn belegt, sodass man die jüngeren Gräber zuerst sieht. Der neueste Abschnitt liegt hinter der Friedhofskapelle. Wer die Grabsteine aufmerksam betrachtet, kann viel entdecken. Die Inschrift in hebräischer Sprache zeigt nach Osten hin, in späterer Zeit trägt die Rückseite zusätzlich eine deutsche Inschrift. Manchmal liest man die seltsamen Monatsnamen und Jahreszahlen der jüdischen Zeitrechnung.

Die meisten jüdischen Vornamen entstammen der hebräischen Bibel, die wir das Alte Testament nennen. Manchmal sieht man bekannte Bilder: ein Baum, Rosetten, Schmuckbänder. Ein rein jüdisches Symbol ist der Davidstern.

Nur einzelne Grabsteine tragen eines der beiden Bildzeichen, die eine besondere Bedeutung haben. Sie sind verbunden mit der Geschichte des Volkes Israel, wie sie in der Bibel erzählt wird, und zeigen an, dass hier ein Nachfahre von Aron oder Levi bestattet ist. Wer waren diese?

Zwei erhobene Hände, die Innenseiten uns zugewandt, erinnern an die priesterliche Segensgeste aus dem Gottesdienst. So wird der Segen auf die Gemeinde gelegt, mit Worten des Aron: „Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Unter einem solchen Grabstein ist ein Nachfahre des Aron bestattet, ein „Cohen“, d.h. Priester. Wir finden dann den Namen Cohen oder Cohn als Familiennamen oder Namensbestandteil.

Segende Priesterhände

 

 

 

Grabstein links: Segnende Priesterhände
Grab eines Cohn

 

 

 


Aron war der Bruder des Mose, der sein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft führte. Mose hatte die Tafeln mit den zehn Geboten vom Berg herabgebracht, sie wurden fortan in einem Kasten ( „Bundeslade“) als Zeichen der Anwesenheit Gottes mitgeführt. Aron wurde zum Hohenpriester eingesetzt. Über Jahrhunderte stellten die Familien der „Aroniten“ die Priester, die das Opfer im Tempel darbrachten, in späterer Zeit viele Rabbiner, Lehrer, Vorsänger, Leiter des Gottesdienstes.

Eine Wasserkanne mit Schüssel und Handtuch deutet auf die Leviten hin, Familien aus dem Stamm Levi, der einer der zwölf Söhne Jakobs war. Auch sie dienten in biblischer Zeit neben den Priestern im Tempel. So wuschen sie ihnen vor dem Opfern als Reinigungsritus die Hände, daher die Kanne. Unter einem Grabstein mit diesem Symbol ist ein Levy oder Levi bestattet. Man findet es auch auf einem Stein der Familie de Löwe, deren Name eine Abwandlung von „Levy“ ist.

Grabstein mit Wasserkanne

 

 

 

Motiv oben auf dem Grabstein:
Wasserkanne
Grab eines Levi

 

 

 


Bei den neueren Gräbern sieht man Doppelgrabstellen, deren Tafeln nur auf einer Hälfte beschriftet ist. Der Ehepartner oder ein Geschwister hätte hier eines Tages begraben werden sollen, aber dazu kam es nicht mehr. In fast allen Fällen wird der fehlende Name auf dem Mahnmal stehen, das auf dem nicht belegten Teil des Friedhofs errichtet wird.

So starb 1930 der Viehhändler Samuel Wolff, Neuer Weg 87, im Alter von 79 Jahren. Seine Frau Mathilde liegt nicht neben ihm. Sie kam 83jährig im Lager Gurs in Frankreich um, einem Internierungslager in Südfrankreich nahe der Pyrenäen. Offensichtlich war sie zur Tochter Frieda nach Mannheim gezogen. Im ersten Deportationszug im Deutschen Reich wurden die Juden des Saarlands, des Rheinlands und der Pfalz nach Gurs gebracht und später in den Osten deportiert. Viele verstarben bereits in Gurs unter den unmenschlichen Lagerbedingungen.

Wolffs hatten drei Kinder. Tochter Henny Fränkel wurde mit ihrem Mann in Auschwitz umgebracht, während ihre beiden erwachsenen Kinder nach Südafrika entkamen.

Tochter Frieda Michel war es, die in Mannheim verheiratet war. Die kleine Lotte, ihre Tochter, wurde allein über die Grenze nach Frankreich geschickt, wo sie von Nonnen versteckt wurde, überlebte und nach Israel gelangte. Frieda und der Sohn Ernst wurden nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam. Ihr Mann war zuvor verstorben. Ihr Sohn überlebte den „Todesmarsch“, auf dem die noch lebenden KZ-Insassen sich zu Fuß nach Deutschland schleppen mussten, als die russische Armee sich näherte, wobei die meisten starben. Nach der Befreiung ging er nach Amerika und wurde als Ernest Michel bekannt durch sein Engagemant als Zeitzeuge.

Der Bruder von Henny und Frieda hat wieder in Deutschland gelebt, Wolff Samuel Wolff ist 1975 in Berlin verstorben.

Die Namen von Mutter und Töchtern stehen auf dem Mahnmal, auch der Name der ebenfalls getöteten Schwägerin.

Von dort kann man das Grab und den Stein sehen, wo Mathilde neben ihrem Ehemann hätte liegen sollen.

Wolff-Rosenstamm Marianne 05.03.1869 – 02.04.1943

Wolff-Neuwahl Mathilde 16.05.1858 – 05.09.1941

Fränkel-Wolff Henny 13.08.1882 –

Michel-Wolff Frieda 01.11.1884 –

Woche der Begegnung: Grabstein Wolff

 

 

 

Mathilde Wolff wurde nicht neben ihrem Ehemann begraben.
Sie starb im Internierungslager Gurs (Frankreich).

 

 

 

Text: Almut Holler, Mitglied der Arbeitsgruppe Synagogenweg

zum Seitenanfang

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg

Unter der Führung von Frau Lina Gödeken, die sich einen Namen durch ihre Forschungen und Veröffentlichungen zur jüdischen Gemeinde Nordens gemacht hat und deren Gatten Hans-Gerhard entstand vor knapp 20 Jahren die Ökumenische Interessen- und Arbeitsgruppe Synagogenweg Norden (heute kurz: Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg Norden) aus Vertretern der hiesigen Kirchengemeinden, Schulen und einigen Politikern.

Gedenkstätte am Synagogenweg

Ihr Ziel, auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge eine Gedenkstätte zu errichten, wurde während der 'Woche der Begegnung' vom 16. - 18.08.1987 in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden und deren Angehörigen in die Wirklichkeit umgesetzt.

Seit einigen Jahren hat sich die Arbeitsgruppe zum Ziel gesetzt, für die genau 200 Juden, die durch ihre physische Vernichtung keine würdige Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof finden konnten, dort ein Mahnmal zu errichten, wo ihre Namen die Erinnerung an ihr Schicksal bewahren sollen.

Die Arbeitsgruppe wird heute vertreten durch:

Pastorin Almut Holler Tel. 04931/74649
Walter Demandt Tel. 04931/3506
Bernd Bohnsack Tel. 04931/168913

Das Mahnmal

Das von dem Künstler Ricardo Fuhrmann und dem Architekten Reinhard Schneider entworfene Mahnmal für den jüdischen Friedhof in Norden besteht aus einer wellenartigen Wand.

Mahnmal ModellDie wellenartige Form der Wand, die das Leben, die Zeit und die Geschichte symbolisiert, ist durch einen Bruch in zwei Teile geteilt. Durch die Teilung entsteht ein enger Durchgang von 55 cm und soll den brutalen Schnitt in der jüdischen Geschichte darstellen und an die Ermordung der Norder jüdischen Bürger erinnern. Den Durchgang zu durchschreiten ist durch seine Enge nicht bequem. Es entsteht eine gewollte Spannung, damit jeder bei dem Durchschreiten ein etwas bedrohliches Gefühl bekommt.

Jeder Wandteil hat ein schwarzes Dreieck. Die Dreiecke verkörpern den auseinander getrennten Davidstern; ihre schwarze Farbe bewirkt den Eindruck, als seien sie in Trauer. Die wellenförmigen Wände sind durch ihren gebogenen Verlauf sowohl ein Platz der Besinnung als auch eine dynamische Bewegung, die einlädt, sie von allen Seiten zu betrachten. Der Verlauf der Wände macht die menschliche Lebenslinie fühlbar mit ihren Tiefen, Brüchen und Hoffnungen.

Die Wände bestehen aus rostendem Stahl. Er wurde als Material einerseits wegen der Wärme gewählt, welche durch den rostenden Farbton ausgestrahlt wird. Andererseits hinterlässt der Regen an der rostenden Oberfläche der Wand Rostablaufspuren, die wie Tränen über das Geschehene an den Wänden ablaufen.

Die zwei durch die Wand gesteckten Dreiecke sind aus schwarzem polierten Granit. Die Granitdreiecke nehmen keinen Rost an und bilden daher einen Kontrast zur wärmeaustrahlenden Wand. Durch die zwei Dreiecke können wir nach außen und nach innen sehen. Wir müssen durch diese "Fenster" in uns selbst hineinsehen - in die Geschichte und in unseren Erinnerungen.

Die in einem gewissen Abstand auf die Wand geschraubten Bronzetafeln sind aufgeteilt in vier Tafeln mit den Namen der Opfer und zwei Tafeln mit Bibelzitaten. Alle Namen und Texte werden in die Bronzetafeln eingraviert.

Bei einem Besuch des Mahnmals begegnet uns die Seite des Mahnmals zuerst, auf der die Tafeln mit den Namen der ermordeten Juden angebracht sind. Auf der anderen Seite des Mahnmals sind die zwei Tafeln mit den Bibelzitaten, ausgewählt von überlebenden jüdischen Norder Bürgern, befestigt.

Das Mahnmal steht auf einem ovalen mit braunen Porphyrplatten befestigten Platz. In dem äußeren Rand des ovalen Platzes werden in gleichmäßigen Abständen 12 weiße Granitsteine eingelassen. Die weißen Granitsteine symbolisieren die 12 Stämme Israels.

Der jüdische Friedhof ist für die öffentliche Wahrnehmung und die meisten Norder Bürger zu einem vergessenen Ort geworden. Darum soll der Eingang zu dem jüdischen Friedhof durch ein neu gestaltetes Tor im Einklang mit der Ästhetik des Mahnmals in den Blick der Norder Bürger und Gäste gerückt werden.

Mahnmal ModellDas Tor zu dem jüdischen Friedhof wird mit einer Symbolik gestaltet, die einen deutlichen Hinweis auf den Friedhof gibt. Nach dem Durchschreiten des Tores führt eine geschwungene Baumallee, welche von abgelegten Grabsteinen gesäumt ist, zu dem eigentlichen Friedhof mit dem Mahnmal. Schon der Gang durch die von Grabsteinen gesäumte Baumallee rührt die Seele an und führt zu einer Besinnung, die den Besucher des jüdischen Friedhofes auf die Begegnung mit den Gräbern und das Mahnmal vorbereitet.

Neben dem ermahnenden Inhalten und Rückblicken auf das Geschehene soll das Mahnmal auch den Blick nach Vorne in eine gemeinsame neue Zukunft lenken und bei dem Betrachter Neugier wecken, auch das ehemalige jüdische Leben in der Stadt an den verschiedenen Plätzen und Gebäuden zu entdecken.

Vergessenes und ein vergessener Ort, der sich nicht am Rande der Stadt, sondern inmitten der Stadt befindet, soll für alle Bürger und Besucher unübersehbar werden.

Technische Informationen:

Die geschwungene Wand des Mahnmals hat eine Gesamtlänge von 8,55 m, eine Höhe von 2,40 m und eine Breite von 0,40 m. Sie besteht aus rostendem Stahl und ist in eine 25 cm breite Granitschotterfläche eingebettet.

Die durch jeden Wandteil gesteckten Dreiecke sind aus schwarzen polierten Granitblöcken, die je nach Linienform der Wand unterschiedlich weit vor die Wand hinausragen.

Das Mahnmal steht auf einem ovalen Platz, der mit braunen Porphyrplatten des Formats ca. 30 cm x 60 cm befestigt ist. Der umlaufende ovale Rand erhält aufgeteilt 12 erhaben vorstehende weiße Granitblöcke als Symbol für die 12 Stämme Israels. Umgeben ist der Platz des Mahnmals von einer Rasenfläche, welche östlich durch die Gräber begrenzt wird und westlich von einer Baumreihe, welche die Grenze zur Friedhofskapelle des städtischen Friedhofs bildet.

Unterhalb und überdeckt von den Kronen der Baumreihe werden zwei auf das Gesamtkonzept bezogen gestaltete Bänke platziert, die es dem Betrachter ermöglichen, auch in einem gewissen Abstand das Mahnmal auf sich wirken zu lassen.

zum Seitenanfang